Archaeozoologenverband

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Kerstin Pasda

Fromme Askese oder üppiges Festmahl? Speiseüberreste aus dem rokokozeitlichen Speisesaal des Klosters Speinshart.

Ein barockzeitlicher Befund mit Tierknochen in einem Refektorium des Klosters Speinshart erbrachte erstaunliche Ergebnisse. Aus dem Kehrricht in den Zwischenräumen eines Ofens wurde ein Tierknochenkomplex mit 767 Knochen geborgen. Dieser eigentlich kleine Komplex erbrachte immerhin 20 Tierarten!
Allein diese grosse Anzahl verschiedener Tierarten vermittelt nicht gerade ein Bild von der Bescheidenheit der Essgewohnheiten in einem Kloster. Neben den im Spätmittelalter üblichen Haustierarten Rind, Schwein und Schaf waren Hase, Reh und Wildschwein vertreten. Daneben bereicherten auch Geflügelsorten wie Haushuhn, Truthahn, Gans, Ente, Stockente, Brandgans, Wachtel und andere Wildvögel den Speiseplan.

Auf zeitgenössischen Rechnungen des Klosters sind einige dieser nachgewiesenen Wildtiere tatsächlich genannt, was zeigt, dass sie gezielt eingekauft wurden, oder dass ihre Beschaffung in Auftrag gegeben wurde.
Bemerkenswert war auch die Altersverteilung der Haustiere. Bei Schafen stammten 47 % der Überreste von jungen Tieren, bei Rindern 85 % und bei Schweinen über 90 %. Dass Schweine vor dem Erwachsenenalter geschlachtet werden, ist zunächst nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist jedoch der hohe Anteil von ganz jungen Schweinen (Abbildung). Ähnliche Verhältnisse zeigt die Altersverteilung von Schafen und von Rindern. Auch bei diesen sind solche Tiere vertreten, die möglicherweise noch ungeboren, gerade geboren oder höchstens wenige Wochen alt waren.





Abbildung: Hoher Anteil sehr junger Schweine im Fundmaterial.

Der nachgewiesene männliche blaue Pfau zeigt, dass am klösterlichen Tisch von Speinshart nicht nur Wert auf Vielfalt und Qualität sondern auch auf Ästhetik Wert gelegt wurde. Vorstellbar ist, dass der Pfau als Dekoration drapiert wurde, wie mittelalterliche Berichten aus anderen Zusammenhängen belegen.
Der Tierknochenkomplex ist ein anschauliches Zeugnis für ein Klosterleben, in dem nicht durchgehend fromme Askese geübt und Ordensregeln rigide durchgesetzt wurden, sondern dann und wann ein sehr weltliches und genussbetontes Festmahl stattfand. Durch schriftliche Quellen im Klosterarchiv sind zahlreiche Besuche hochrangiger weltlicher Würdenträger überliefert. Das festliche Speisen im Refektorium war dabei sicher ein fester Teil des Besucherprogramms. Wie gut, dass der eine oder andere Gast oder Mönch die Speisereste in die Fußbodenöffnung der Heizanlage entsorgte!
Literatur:
Kerstin Pasda. Fromme Askese oder üppiges Festmahl? Speiseüberreste aus dem rokokozeitlichen Speisesaal des Klosters Speinshart. Beiträge zur Archäologie in der Oberpfalz und in Regensburg. Band 10, 2013, Verlag Dr. Faustus, S. 376-386.