Jörg Ewersen
Geliebt – gebraucht – gegessen. Der Haushund in der Steinzeit

(Fortsetzung)

Die Werte der stabilen Isotope weisen auf deutliche Unterschiede zwischen den Omnivoren (= Allesfressern) Schwein und Hund hin. Die Isotopenverhältnisse der Wölfe sind entgegen den Erwartungen nur sehr undeutlich von denen der Hunde zu trennen, was möglichweise auf Unsicherheiten bei der morphometrischen (= anatomisch vergleichenden) Bestimmung zurückzuführen ist. Bemerkenswert ist die Heterogenität der Isotopenverhältnisse von Hunden in Bezug zur regionalen Lage der Fundplätze. Es wurden auf diesem Wege einerseits deutliche Unterschiede in der Nahrungsaufnahme der Tiere erkannt und andererseits Umwelteinflüsse wie auch klimatische Veränderungen ersichtlich.


















Die übergreifenden Ergebnisse des Projektes machen bereits jetzt in vielerlei Hinsicht die wirtschaftliche Bedeutung des Haushundes für die Nahrungswirtschaft verschiedener jungsteinzeitlicher Siedlungen deutlich: Hunde waren leicht zu versorgen, wurden einerseits mit Abfällen gefüttert oder sorgten in vielen Fällen selbst für ihre Nahrung und erbrachten zu Lebzeiten Arbeitsleistungen. Als Fleischnutztier besaßen sie zwar eine ungünstige Energiebilanz, man gewann dennoch aus ihnen ein sehr energiereiches Fleisch, qualitätsvolles Fell bzw. Leder sowie Zahnschmuckperlen. Diese Möglichkeiten wurden in steinzeitlichen Siedlungen in unterschiedlichem Maße und mit regional verschiedenen Schwerpunkten genutzt, wobei - neu hinzugekommen - der Verdacht besteht, dass sich die soziokulturelle Rolle der Haushunde vom Mesolithikum bis ins fortgeschrittene Neolithikum hin änderte. Hierzu steht allerdings eine detaillierte, fundplatzbezogene Auswertung noch aus.

Weitere Literatur:

Ewersen /Schmölcke 2013: Ewersen J., U. Schmölcke, Untersuchungen zur Haltung und Nutzung von Haushunden auf meso- und neolithischen Fundplätzen im nördlichen Deutschland. B. Ramminger (Hrsg.) Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie Bd. 240 - Studien zur Jungsteinzeit in Norddeutschland I (Bonn 2013) 267 - 299.
Ewersen 2012: J. Ewersen, Der Hund - geliebt, gebraucht und gegessen. B. Ramminger, H. Lasch, Hunde - Menschen - Artefakte. Gedenkschrift für Gretel Galley. Studia honoraria Bd. 32 (Rahden/Westf. 2012) 249 - 262.
Ewersen 2010: J. Ewersen, Hundehaltung auf der kaiserzeitlichen Wurt Feddersen Wierde – ein Rekonstruktionsversuch. Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 33 (2010) 53 - 75.
Ewersen/Ramminger 2010: J. Ewersen, B. Ramminger, Die Rolle des Hundes in Siedlungen des Endmesolithikums und Neolithikums im norddeutschen Raum - Vorbericht. Arch. Korrbl. 40 (2010) 331 - 350.
Ewersen et al. in prep.: J. Ewersen, B. Ramminger, S. Ziegler, Stable Isotopic Ratio From Mesolithic And Neolithic Canids As An Indicator Of Human Economic and Ritual Activity (in prep).
Ewersen et al. im Druck: J. Ewersen, Th. Uthmeier, A. Dirian, Die Jagd auf den Wolf oder mit dem Wolf auf Jagd? Archäozoologische Untersuchungen an der Gravettien-Freilandfundstelle auf der Napoleonshöhe bei Regensburg. Beiträge zur Archäologie in der Oberpfalz und in Regensburg (im Druck).
Ewersen/Ramminger in Vorber.: J. Ewersen, B. Ramminger, Untersuchungen zur Haltung und Nutzung von Haushunden auf meso- und neolithischen Fundplätzen in Mittel- und Süddeutschland sowie der Schweiz. (in Vorber.).
Ewersen/Ziegler in Vorber.: J. Ewersen, S. Ziegler, …der frisst am liebsten frisches Fleisch. Nahrungsgrundlage meso- und neolithischer Hunde nach Isotopenverhältnisse (in Vorber.).