Kerstin Pasda
Schachtfunde von Tieren und Menschen im Peterloch bei Woppental

(Fortsetzung)

Da die Pläne jedoch nicht veröffentlicht wurden und im 2. Weltkrieg verloren gingen, ist die Befundsituation heute nicht mehr zu rekonstruieren. Vertreten waren mindestens 26 Individuen aller Altersstufen, mehrheitlich jedoch kleine Kinder von 0 bis 6 Jahren und Erwachsene zwischen 20 und 40 Jahren. Die Alters- und Geschlechtsverteilung der Skelettteile, die einer durchschnittlichen vor- und frühgeschichtlichen Bevölkerung entspricht (viele Kleinkinder, Kinder, wenig Jugendliche und viele Erwachsene beiderlei Geschlechts) könnte auf den gleichzeitigen Tod einer dörflichen Gemeinschaft schließen lassen. Dies lässt zum einen die Interpretation zu, dass es sich um Opfer einer Hungersnot oder einer Seuche gehandelt haben könnte, zum anderen um einen gewaltsamen Eingriff, bei dem ein ganzes Dorf ausgelöscht wurde. Hinweise auf Gewalt gab es jedoch nur bei einer frühadulten Frau und bei einem Kind in Form von Frakturen im Schädel. Ob es sich um kultische Vorgänge gehandelt hat, in deren Rahmen man die Menschen in das Peterloch brachte, ist nicht zu belegen, aber auch nicht zu widerlegen. Dasselbe gilt für Sekundärbestattungen. Es gab jedoch vielen Hinweise auf Krankheiten und Mangelerscheinungen und damit auf einen insgesamt eher schlechten Gesundheitszustand der Bevölkerung. Dies macht eine natürliche Todesursache wahrscheinlich. Geschwächt durch Mangelerscheinungen wie Skorbut waren die Menschen, vor allem die kleinen Kinder, anfälliger für andere ansonsten relativ harmlose Krankheiten, die zum Tod geführt haben könnten. Da in der Urnenfelderzeit die übliche Bestattungsart die Brandbestattung war und man außerdem die Toten in Urnen auf einem Gräberfeld niederlegte, waren die menschlichen Skelette vom Peterloch in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: sie waren unverbrannt und sie befanden sich nicht auf einem Gräberfeld. Beides spricht für eine Ausnahmesituation, wie sie z. B. während katastrophaler Lebensverhältnisse denkbar wäre. Da es sich scheinbar auch nicht um Bestattungen gehandelt hat, ist vorstellbar, dass die Verstorbenen in das „Loch“ geworfen wurden. Die Frakturen in den Schädel der beiden erwähnten Individuen könnten hierdurch verursacht worden sein, indem man sie mit dem Kopf voran in das Loch warf.

Auch die Tierreste waren auffallend anders als man dies von archäologischen Speiseabfällen gewohnt ist. An den insgesamt 253 Überresten von 11 Tierarten zeigten nur die Haustiere wenige Manipulationen, die meisten Skelettelemente waren sogar vollständig. Das ist ungewöhnlich bei dem nachgewiesenen Artenspektrum, das einem typischen vor- und frühgeschichtlichen Haustierbestand entsprach. Normalerweise lassen sich jedoch zahlreiche Schnitt-, Schlag- und Hiebspuren erkennen. Es scheint sich bei dem Höhlenbefund zum einen um eine natürliche Falle gehandelt zu haben, in die die Tiere versehentlich gelangten und nicht wieder entkommen konnten. Zum anderen scheint man das Loch für beabsichtigte Entsorgung von lebenden oder verstorbenen Tieren genutzt zu haben. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass die Deponierung im Schacht auf kultische Aktivitäten zurückzuführen ist. Allerdings spricht besonders das häufige Vorkommen von Hunden überhaupt und von Hundeknochen mit Verletzungen und Krankheitserscheinungen insbesondere (Abbildung 2) für eine absichtliche Beseitigung dieser Tiere.

Literatur:
Kerstin Pasda.  Wiederaufnahme der menschlichen Skelettreste und Tierknochen aus dem Peterloch bei Woppental. Beiträge zur Vorgeschichte Nordostbayerns. Band 6/2008. In: Das Peterloch bei Woppental; Mit Norbert und Renate Graf. S. 53-89.