Johanna Sigl

Katarakt-Schwein, Schafsschenkel und Fischsoße - die Tierwelt von Syene/Aswan

Die alte Stadt Syene (das heutige Aswan) stand während ihrer gesamten Geschichte im Mittelpunkt ethnischen, kulturellen und religiösen Wandels. Als südlichste Stadt Ägypten fungierte sie als Militärlager und Handelszentrum. Ägypter, Perser, Griechen, Römer und Araber, Politheisten und Monotheisten der verschiedensten Religionen brachten ihre eigenen Glaubensvorstellungen und Kenntnisse zu Ernährung, Züchtung, Jagd und anderweitiger Tiernutzung aus ihren jeweiligen Heimatländern mit. Am Faunenmaterial aus den Ausgrabungen im modernen Stadtzentrum Aswans - durchgeführt vom Schweizerischen Institut für ägyptische Bauforschung und Altertumskunde in Kairo in Kooperation mit der lokalen Altertümerverwaltung - werden diese Einflüsse besonders für die archäologisch belegte Hauptnutzungszeit der Stadt von der ägyptischen Spätzeit (um ca. 650 v. Chr.) bis zu ihrer Zerstörung im Jahr 1412 deutlich.

In Verbindung mit dem von Joachim Boessneck, Angela von den Driesch, Joris Peters und anderen untersuchten Faunenmaterial von der benachbarten Insel- und Partnerstadt Syenes, Elephantine, lässt sich eine beinahe lückenlose Ernährungs- und Tierwirtschaftsgeschichte der beiden Hauptorte des ersten Nilkatarakts über rund 5000 Jahre hinweg nachvollziehen. An Deponierungen von vollständigen Katzen und von einem Dromedar lässt sich  der Phänotyp dieser Tiere rekonstruieren. Daneben geben diese Deponierungen Einblicke in den Umgang mit Individuen, die nicht für die Ernährung genutzt wurden. In der Abbildung zu sehen ist ein Beispiel eines dieser vollständigen Katzenskelette - mit Pfotenspuren einer Katze auf dem rekonstruierten Skelett.

Literatur:

Sigl, J., Die Tierwelt von Syene/Aswan - Ein Beitrag zur Wirtschafts-, Umwelt- und Religionsgeschichte einer Stadt in Oberägypten von der pharaonischen Spätzeit bis ins islamische Mittelalter, (in Vorbereitung).