Was ist Archäozoologie?
Archäozoologie beschäftigt sich mit Tieren und deren organischen Überresten, bzw. Hinterlassenschaften aus archäologischen Zusammenhängen.

Was wird untersucht?

Die Körper von Wirbeltieren setzten sind aus verschiedenen Hart- und Weichteilen zusammen, von denen sich in der Regel nur die Hartteile erhalten, also Knochen, Zähne, Hornkerne und Geweih. Diese bestehen sowohl aus organischen als auch aus anorganischen Substanzen. Anorganische Mineralkristalle sind in organischem Protein (Kollagen) eingelagert, aus dem beispielsweise auch DNA (DNS) extrahiert werden kann.

Skelettelemente mit hohem Mineralgehalt, wie Zähne, die durch die widerstandsfähige Schmelzschicht geschützt werden, sind generell besser erhalten als solche mit niedrigem, wie z. B. Knochen, darunter vor allem die von neugeborenen Tieren. Knochen bestehen zu einem großen Teil aus Kalziumphosphat, welches sich in saurem Wasser, bzw. Boden schnell löst, daher erhalten sich Knochen besser in alkalischem oder neutralem Milieu. Lokale Depots, die den Ph-Wert erhöhen, wie z.B. Muschelschalenhaufen, können zu einer Verbesserung der Erhaltung führen, wenn das restliche Milieu sonst eher sauer ist.

Werden Knochen auf ca. 600 °C erhitzt, rekristallisieren die Mineralien in eine verhältnismäßig stabile Struktur, daher können kalzinierte Knochen noch an vielen Fundstellen geborgen werden, wenn selbst Zähne nicht mehr erhalten sind.

Eine Erhaltung von Weichteilen ist sehr selten und erfolgt in der Regel nur unter Ausschluss oder stark eingeschränkter Bakterienaktivität. Das passiert z. B. bei Frost, Trockenheit unter Ausschluss von Sauerstoff oder in giftigen Milieus. Beispielsweise sind in Nordeuropa Moore die häufigsten Orte, an denen sich Weichteile, darunter keratinhaltige Gewebe wie Haar, Hufe und Hörner und gelegentlich sogar Haut und Organe erhalten können. Diese Gewebe können jedoch schnell wieder instabil werden, wenn ihre Lagerungsbedingungen verändert werden. Daher ist es unbedingt ratsam, Präparatoren hinzuziehen, wenn Weichteile zu erwarten sind oder ausgegraben werden.

Größere Wirbeltierüberreste wie Knochen von domestizierten Tieren sind in der Regel bei den Ausgrabungen sichtbar und können zusammen mit den Artefakten geborgen werden. Um Grabungsartefakte zu vermeiden, sollten kleine Knochen wie die von Fischen, Kleinsäugern, kleinen Vögeln, Jungtierknochen und sonstige Fragmente mittels Sieben oder Schlämmen geborgen werden (siehe „Ausgrabung und Probensicherung“). Wünschenswert ist diese Behandlung für die gesamte Grabung, wenn sie jedoch zu Zeit- und arbeitsintensiv ist, sollte wenigstens ein bestimmter Teil der Ausgrabung in Absprache mit dem Archäozoologen auf diese Weise durchgeführt werden.

Die Archäozoologie ist durch ihren breiten interdisziplinären Ansatz charakterisiert, daher können Tierknochen unter sehr unterschiedlichen Aspekten untersucht werden.

Welche Aussagemöglichkeiten bietet die Archäozoologie?

Durch verschiedenartigste Analyseverfahren bemüht sich die Archäozoologie dem prähistorischen und historischen menschlichen Verhalten auf die Spur zu kommen. Dabei beschäftigen sich traditionell viele Studien mit der menschlichen Ernährung, die Einflussnahme des Menschen auf die Landschaft, der Ressourcennutzung oder der Ökonomie. Somit lassen sich anhand von archäozoologischen Untersuchungen nicht nur Ernährungsweisen innerhalb einer spezifischen Subsistenzstrategie untersuchen, sondern auch Siedlungsmuster oder sozioökonomische und soziale Verhaltensweisen näher betrachten.

Oftmals beinhalten archäozoologische Aspekte, neben den archäologischen auch biologische oder ökologische Gesichtspunkte, teilweise auch ohne menschlichen Zusammenhang. So werden archäozoologische Ergebnisse unter anderem für Paläoklimarekonstruktion verwendet, zur Untersuchung von Bioturbation oder zoogeogaphischen Verhältnissen (z.B. für die Untersuchungen über Einwanderung, Aussterben und Verbreitung von Arten), Umweltentwicklung, Morphologische Charakteristik, Populationsstruktur oder die Geschichte der Domestikation.

Die anthropogenen Aussagemöglichkeiten sind wie oben erwähnt vielfältig. Wolle, Haar und Fell mögen für Kleidung, für Zelte, Fallen oder für Transportgegenstände verwendet worden sein. Manche Elemente mögen zunächst zu Nahrungszwecken gedient haben und wurden erst sekundär als Rohstoffe für Werkzeuge oder Ziergegenstände weiter verarbeitet . In einigen Fällen spielte diese Rohstoffverarbeitung sogar eine größere Rolle als der Beitrag an der Ernährung. Auch Öl, Fett, Gelatine und Kleber waren wichtige Nebenprodukte der Knochenverarbeitung. Tiere lieferten außerdem Fäkalien, die z.B. als Treibstoff, Brenn- und Baumaterial, Düngemittel oder Farb- oder Gerbstoffe genutzt wurden.

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